Adventsgeschichte schreiben

myMorawa-Adventgeschichte

Dieser Advent war besinnlich, lustig, spannend, fantastisch und überaus interessant. Lies hier unsere „Adventgeschichte zum Mitschreiben“.


Adventgeschichte zum Mitschreiben 2020

Gemeinsam haben wir auf Facebook die erste myMorawa-Adventgeschichte 2020 geschrieben. Jede:r Schreiberling war eingeladen mittels Kommentar die Geschichte fortzusetzen. Entstanden ist eine wundervolle Geschichte zum Schmunzeln und Nachdenken. Viel Freude beim Lesen, und unseren Autor:innen und allen die mitgemacht haben, ein großes Dankeschön!


Kapitel 1: Von Schnupfen und Vanillekipferl

Schneeflocken rieseln leise vom Himmel und bedecken sanft die ersten Häuser und Bäume auf der Straße mit einer glitzernden Zuckerschicht. An diesem ersten Adventsonntag war ich früh wach. Noch früher als sonst. Aus der Küche kam der gar nicht besonders vorweihnachtliche Duft verbrannter Kekse. Ein Aufschrei der Dame des Hauses war zu hören. Die ersten Weihnachtslieder ertönten im Radio und die entzündete Kerze des Adventskranzes verströmte den Geruch von frischem Wachs im Raum. Ich blickte in die erste Kerze und mir wurde ganz warm ums Herz. Möge sie Frieden, Freude und Dankbarkeit in die Welt bringen. Erinnerungen an längst vergangene Tage lichteten wie Sonnenstrahlen die grauen Schleier des Alltags, ließen mich etwas fühlen, das ich so sehr vermisst hatte, und das sich nicht in Worte fassen lässt. „Hast Du Lust auf einen Adventspaziergang?“, rief mein Mann aus dem Bad und riss mich damit aus den Gedanken und aus meinem „Last Christmas“-Ohrwurm. Ich fegte die verbrannten Vanillekipferl in den Mülleimer und zog mich warm an. So konnte ich gleich meine ,gestern fertig gestrickte, Mütze präsentieren.

Als wir vor die Türe traten, traf mich auch prompt die erste Schneeflocke auf die Nase. Kalt – nass – herrlich! Ich lächelte. Endlich war er da: Der heiß ersehnte Winter! Ich hakte mich bei meinem Mann ein, der ebenso wie ich, warm eingepackt war. Hatte ich den Herd ausgestellt, fragte ich mich kurz, denn die Hektik mit den verbrannten Vanillekipferl und den anschließenden Advent Träumereien hatten mich aus dem Konzept gebracht. Da riss mich eine Stimme aus meinen Grübeleien. „Maria?“. Ich sah in das Gesicht meines überraschten Gegenübers. Eine kleine Stupsnase mit unzähligen Sommersprossen, große blaue Augen. Dieses Gesicht kannte ich doch. Vor Überraschung klappte mir der Mund auf. Das war doch … “Ja, ich bin es wirklich! Schön, dass du dich so freust mich zu sehen! Ich wollte dich einladen mit mir einen Spaziergang zu unternehmen. Der leichte Schneefall und das Kitzeln der Flocken ist einfach zu schön um drinnen zu bleiben!”. Ich hatte kaum Zeit, mich zu fassen, da sprudelte Tessa schon auf mich ein. „Äh, darf ich dir meinen Mann vorstellen? Tessa, das ist Bernd, Bernd, das ist Tessa, wir waren mal befreundet.“ Freundlich, wie ich war, ließ ich sie gewähren, schaute aber hilfesuchend zu meinem Mann. Doch der zog blitzartig sein penibel gebügeltes Stofftaschentuch aus der Manteltasche und nieste, dass mir die Ohren klingelten. Ein Schnupfen war im Anzug. Aber der „Anzug“ weigerte sich, ein Schnupfen zu werden und machte es sich hinter dem Türchen Nr. 2 des Adventkalenders bequem – nicht ahnend, dass das Türchen bald geöffnet werden sollte.

„…Vanillekipferl???“ stöhnte der Mann im Anzug. „Schon wieder…, also ohne mich!“ Er war definitiv verschnupft. Denn als ihn im Bad der Ruf seines Lieblings erreichte, war er gerade dabei gewesen in einem Selbstgespräch vertieft einen Fluch auszustoßen: „Nie mehr im Leben Vanillekipferl! Es gibt nichts Schlimmeres. Warum immer dieses Malträtieren? Der Advent ist doch mehr als Vanillekipferl. Ich will heuer eine Weihnachtsgans, dass das klar ist. Ich muss mich nur trauen, es meiner Frau zu sagen. Das wird mich Überwindung kosten.“ Und während er sich bereits Gedanken über das „Wie sag ich es ihr bloß“ machte, drehte er sich Richtung Badezimmertüre, rutschte auf dem Fliesenboden aus und stieß sich den Kopf dezent am Badewannenrand. Leicht benommen blieb er noch ein Weilchen am Boden sitzen, denn er fühlte sich etwas komisch bis seelig, einfach eigenartig. Irgendetwas war passiert, denn in seinem Kopf begangen die Engelsharfen zu erklingen. Plötzlich freute er sich wieder wie ein kleiner Bub auf Weihnachten. Was war geschehen? Durch den Sturz verbannte er den Grinch wohl wahrlich aus seinen Erinnerungen. Seine Frau rief liebevoll seinen Namen und wartete mit heißer Schokolade bereits in der Küche auf ihn. Sie fragte: „Schatz, geht es dir gut, du siehst etwas blass aus?“. Er nahm sie ganz fest in den Arm und antwortete, dass er so froh und dankbar ist, dass er den Advent mit ihr erleben und leben darf – die Liebe ist nun mal das Wertvollste im Leben. Und wenn er nach wie vor auch keine Vanillekipferl mochte, wusste er, dass er seiner Frau damit eine Freude machen kann. Doch vorerst beschlossen sie, erstmal in Ruhe den Tag passieren zu lassen und am nächsten Morgen erst mit dem Backen zu beginnen. Geborgen schliefen sie Arm in Arm ein, doch was nachts geschah, konnten sie sich bis heute nicht erklären.

Denn nachts holten sie die Alpträume ein. Während er durch einen dunklen Gang ging und nach einer Weihnachtsgans suchte, die er nur ertasten hätte können und nie fand, entstanden wie von Geisterhand eine Unmenge von Vanillekipferl in ihrer Küche, ohne dass sie den Backofen hätte anheizen müssen. Beide wachten dann gleichzeitig schreiend auf und schauten sich mit angsterfüllten Augen an. „Hast du auch etwas Merkwürdiges geträumt?“, fragte er. „Ja, und es ist gut so. Machen wir das Beste daraus. Neuer Tag, neues Glück. Lassen wir uns nur ja nicht unterkriegen!“ Sie drückte ihrem Liebsten einen Kuss auf die Stirn und die Welt war für das seit vielen Jahren verheiratete Paar wieder in Ordnung.


Kapitel 2: Feuer und Kekserlduft

Am Morgen des 2. Advents ging Helmut in die Küche und richtete das Frühstück für die Familie her. Die Nikolaussäckchen für die Kinder waren hergerichtet, die zweite Kerze auf dem Adventkranz war angezündet. Da hörte er plötzlich den Nachbarshund wild bellen. Was immer dort los war, Helmut wollte das jetzt nicht ergründen, die Familie ging vor. Dann sah er doch aus dem Fenster und bemerkte, dass bei Sophie und Daniel, seinen Nachbarn, dicker, blauer Qualm aus dem Schornstein stieg. Was war dort los? Was verbrannte die Frau nur wieder? Er wusste, dass sie etwas weihnachtsseelig war und manchmal wirkte sie sogar so als wäre sie nicht ganz da. Es hörte nicht auf zu qualmen. „Anita! Ich schau mal schnell rüber zu Sophie und Daniel, da qualmt es so komisch, nicht, dass sie am Nikolaustag noch abbrennen!“ rief er hoch, anstatt freudig und liebevoll das Frühstück anzukündigen.

Als er vor die Tür trat, stieg sofort der brennende Geruch unangenehm in seine Nase. Er blickte zum Schornstein der Nachbarn hinauf. Die Tatsache, dass der Rauch immer mehr und immer schwärzer wurde und der Gedanke, dass bei einem Vollbrand die Flammen möglicherweise auch auf sein Haus und noch schlimmer, auf sein Frühstück übergreifen könnten, beschleunigten sein Schritttempo erheblich. Vor der Nachbartür angekommen, hämmerte er schon fast panisch mit der Faust dagegen.

Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis ihm die Tür geöffnet wurde. Sophie stand in ihrem Nachthemd da und lächelte ihn an. „Herein in die gute Stube. Ich habe für dich Plätzchen gebacken. Aber warum kommst du erst jetzt nach Hause?“ Offenbar verwechselte sie ihn mit Daniel. Vorsichtig überschritt er die Türschwelle. Und er war erstaunt: Es roch herrlich nach Keksen. Die Frau hatte Geschmack, den Duft von Vanillekipferln hätte er nicht ertragen, aber Kekse! Da pochte es an der Tür. Er drehte sich um und öffnete sie. „Die Flammen werden immer schlimmer“, sagte seine Frau aufgeregt. „Es ist alles in Ordnung, mach dir keine Sorgen, Schatz“, beruhigte sie ihr Ehemann. Und bald saßen sie in der Küche und ihnen schmeckten die verschiedenen Kekse, die Sophie gebacken hatte, vorzüglich.

Da hörten sie, wie die Haustür zufiel und im nächsten Moment stand Daniel vor ihnen. „Die Feuerwehr hat den Brand gelöscht“, sagte er wie nebenbei zu seiner Frau. „Nun ist alles wieder in Butter. Pass bitte beim nächsten Mal auf, was du für Zeug in den Kamin steckst.“ Da schrie Sophie auf. „Was wollen Sie von mir, Sie haben hier nichts zu suchen!“ Irgendwie eine verkehrte Welt für alle Beteiligten. Daniel schaute konsterniert seine Frau an und seufzte dann laut auf. Das konnte wieder ein Weihnachtsfest werden! Hoffentlich blieb dann die Verwandtschaft fern. Er liebte sie, sonst wäre er schon längst verschwunden. Sie hatte wieder einmal ihre Tabletten nicht genommen. „Ich bin es doch Sophie, dein Mann Daniel. Setz dich wieder, ich mache uns noch eine Kanne Kaffee“, erwiderte er ruhig. Wie lange konnte er das noch aushalten? Jetzt wussten auch die Nachbarn, dass bei ihnen etwas nicht ganz stimmte. Doch Weihnachten stand vor der Tür, das Fest der Liebe. Es schnürte ihm die Kehle zu, wenn er sie betrachtete, diese naive Unschuld, hinter der sich eine tiefe Bösartigkeit versteckte. Diese Weihnachten konnte noch viel passieren. Während er seinen Kaffee trank beobachtete er Sophie, wie Sie grübelnd in ihre Tasse sah. Sie schien gebannt von dem, was sie in den braunen Wirbeln sah. Was auch immer das war.

Als sie unvermutet das Wort ergriff, sah Daniel erschrocken auf. Mit ungewöhnlich fester Stimme sagte Sophie: „Ich bin dir so dankbar. Ich kann mir gar nicht ausmalen, wie schwierig das alles für dich sein muss. Und ich bin unglaublich froh, dass wir trotz allem eine Familie sind und du zu mir stehst.“ Daniel war überwältigt und gerührt. Er liebte seine Frau – exakt so wie sie ist. „Du bist ein Geschenk“ sagte er, als erneut der Feueralarm schrillte.


Kapitel 3: Der Zauber der Weihnacht

Die schneebedeckte Landschaft funkelte wie tausend Diamanten. Ich schützte meine Augen gegen die helle Sonne und blickte bis zum Horizont. Dort war irgendwas. Einer der Tannenbäume bewegte sich. Das war zwar noch nichts Ungewöhnliches, aber so wie er es tat, ließ darauf schließen, dass nicht der Wind die Ursache war. Das weckte meine Neugierde. Vorsichtig näherte ich mich den Bäumen. Es war ein Schneehasenpärchen! Doch tollpatschig wie ich nunmal bin, trat ich auf einen schneebedeckten, am Boden liegenden, Ast. Das Knacken erschreckte die Beiden so sehr, dass sie sofort das Weite suchten. Schade, wie gerne hätte ich ein Foto gemacht. Plötzlichen sah ich im Augenwinkel etwas vorbeihuschen. Es war definitiv klein, sehr flink und hatte einen richtig buschig-fluffigen Schwanz strahlte unter dem blauen Himmel. Ich war etwas spät aufgestanden und jetzt, nach dem Frühstück, war der richtige Zeitpunkt, um eine kleine Wanderung zu unternehmen. Dieses Wesen faszinierte mich. Es blieb einige Meter vor mir stehen und winkte mir zu. Ich musste an „Alice im Wunderland“ denken. Passierte gerade etwas Magisches? Noch während ich überlegte, was ich tun sollte, gab das Wesen ein Geräusch von sich. Und im nächsten Moment sah ich einen Luftballon aufsteigen. Ich lief so schnell ich konnte und bekam gerade noch rechtzeitig die Schnur zu fassen. Und schon schwebte ich über einen wunderschönen Tannenwald.

Ich fühlte mich so glücklich wie noch nie in meinem Leben. Ich schwebte hoch über den Tannenwald dem Himmel entgegen. Die Vögel zwitscherten aufgeregt und Schneeflocken kitzelten meine Nase. Wo würde mich der Ballon hinbringen? Ein Engel landete sanft neben mir. „Ich bringe dich jetzt in ein Märchenland, in dem es fleißige Elfen und brave Heinzelmännchen gibt. Davon sollst du den Kindern erzählen, wenn du wieder auf der Erde landest.“ Ich musste sehr erschrocken ausgesehen haben, denn der Engel fragte: „Geht es dir nicht gut? Hast du Höhenangst?“ „Nein, das ist es nicht“, antwortete ich. „Aber es ist ziemlich kalt, und… ich weiß nicht, warum du ausgerechnet mich für diese Aufgabe ausgewählt hast. Ehrlich gesagt bin ich ein ziemlicher Weihnachtsmuffel…“ Der Engel stutzte und sah mich misstrauisch an, also plapperte ich weiter: „Naja, das Weihnachtsfest ist mit so viel Stress verbunden: Kekse backen, Geschenke kaufen, das kitschige Deko-Zeug aufstellen, und…“ Eine vorbeifliegende Sternschnuppe unterbrach meine Darlegung über die stressige Weihnachtszeit. “Aber denke doch einmal an die wirkliche Bedeutung des Weihnachtsfestes”, sagte der kleine Engel. “Lass dich doch nicht von dem allgemeinen Gewurrl und Gewusel anstecken. Die Leute rennen und tun und machen, und kaufen, kaufen, kaufen. Stell dir vor, du lebst mit einer bitterarmen Familie mitten im Wald, in einer windschiefen Holzhütte. Was würdet ihr da zu Weihnachten machen? Ich denke, ihr würdet glücklich sein!”

Ja, ich hatte mich vom Engel irritieren lassen. Dabei meinte er es nur gut mit mir. Ich bin doch glücklich, dachte ich. Und Weihnachten ist das Fest der Nächstenliebe. Jesus, an dessen Geburt an Weihnachten erinnert wird, predigte die Nächstenliebe. Insbesondere die Erniedrigten und Beleidigten hatte er ins Herz geschlossen. Das ist der wahre Zauber der Weihnacht: Über sich selbst hinauszudenken und Menschen zu beschenken. Das muss nicht unbedingt materiell sein. Gibt es etwas Schöneres, als Menschen Zeit zu schenken, die einsam sind und Aufmunterung dringend brauchen?


Kapitel 4: Ein Weihnachtslied

Bald ist es endlich soweit und das Weihnachtsfest verbindet die Christenheit. Es gibt aber auch viele Menschen anderer Religionen, die Weihnachten feiern. So auch Serafina. Das bedeutet „Die Feurige“, „Die Brennende“ und leitet sich vom hebräischen “seraphim” ab. Serafina ist zehn Jahre alt und lebt in Israel. Sie ist Jüdin und hat auch christliche und muslimische Freundinnen. In einem Bilderbuch hatte sie schon als kleines Mädchen immer die schönen Weihnachtsszenen bewundert. Heuer war es so weit. Endlich hatte sie ihre Eltern überredet, einen künstlichen Christbaum zu besorgen. Und da unter dem Baum auch Päckchen liegen sollen, hat sie für ihre Eltern etwas gebastelt. Sorgfältig hat sie die Kleinigkeiten verpackt und vor ihnen versteckt. Vor Freude ist sie ganz hibbelig. Am liebsten würde sie ihren Eltern die Geschenke gleich geben. Aber sie hat auch für ihre muslimischen und christlichen Freunde etwas gebastelt. Wenn sich nur alle überall so gut verstünden! Kinder haben keine Vorurteile. Die werden ihnen erst von den Erwachsenen beigebracht. Serafina hatte für all Ihre Freunde und Freundinnen Kerzen verziert und als sie ihnen diese übergab, wünschte sie sich, dass alle Kinder die Kerzen entlang der Klagemauer aufstellen und anzünden sollten. Dann würden alle das berühmteste Weihnachtslied der Welt singen, das in jedem Land der Erde bekannt ist. Und so kam es auch. Die Kinder standen vor der Klagemauer, die brennenden Kerzen vor sich aufgestellt. Und es waren nicht nur Serafinas Freunde da. Das Vorhaben hatte sich herumgesprochen und nun waren unzählige Kinder von nah und fern gekommen, die alle das Weihnachtsfest feiern wollten. Das Fest der Liebe. Sie nahmen sich bei der Hand und waren ganz still. Serafina spürte, wie das Mädchen neben ihr ihre Hand fest drückte. Und dann sangen sie…


Titelbild: iStock, elenabs