Zeitung

Wie komme ich mit meinem Buch in die Zeitung?

Ein Autorinnenbeitrag von Herta Krondorfer.

Wie komme ich mit meinem Buch in die Zeitung? Diese Frage stellen sich viele Autor:innen.


Dein Buch in der Zeitung

Die Zeitung ist ein gutes Mittel ein größeres Publikum und damit potenzielle Leser:innen zu erreichen. Die Zeitungsmacher:innen wissen natürlich nicht, dass gerade ich ein Buch herausgebracht habe und noch weniger wissen sie, wie toll es ist. Was liegt da näher, als sie aktiv darüber zu informieren?

„Ich war mit meinen Büchern bereits in mehreren Zeitungen präsent. Im Grunde ist es nicht schwer, auf keinen Fall schwerer, als sich bei einem Unternehmen zu bewerben.”

Herta Krondorfer, Autorin

Worauf es dabei ankommt und dass man auch mit Absagen rechnen muss, erkläre ich im folgenden Blogpost aus meiner Erfahrung heraus. Das ist keine allzeit gültige Regel, das ist ein kleiner Leitfaden, an dem man sich orientieren kann. Menschen sind verschieden, so auch Presseleute und man muss sich auf sie einstellen.


1. Schritt: Die richtige Zeitung wählen

Es ist wichtig, das richtige Blatt auszuwählen, denn es macht wenig Sinn, eine große, reichweitenstarke Zeitung zu nehmen, die hauptsächlich von überregionalen Dingen berichtet. Ebenso ist es sinnlos, Sportzeitungen anzuschreiben, wenn das Buch nichts damit zu tun hat, oder Magazine, von denen bereits im Vorfeld ersichtlich ist, dass sie nie über wenig bekannte Menschen schreiben.

Am besten ist es, man sucht sich zuerst regionale Zeitungen für die Pressearbeit. In jeder Region gibt es bezirksübergreifende Zeitungen, die über Regionales berichten. Es genügt in der Regel im entsprechenden Einzugsgebiet zu leben, um das Interesse der Journalist:innen zu wecken.


2. Schritt: Telefonnummern und Adressen suchen

Wie alle Medien gibt es auch in Zeitungen ein Impressum, dieses findet man meist vorne oder im Anzeigenteil. Zusätzlich haben fast alle Medien, auch Regionalzeitungen, Internetausgaben (E-Paper). Schreib dir die Telefonnummer und die Adresse heraus. Am besten ist es, wenn du konkrete Ansprechpartner:innen findest. Oftmals wird die Redaktionsleitung der Zeitung namentlich im Impressum angeführt. Viele Zeitungen haben außerdem einen Kulturteil (Kultur, Freizeit, etc.). Lies dir die Artikel durch, vielleicht findest du dort den Namen der zuständigen Redakteur:innen.

Am besten ist es, wenn man verschiedene Zeitungen auswählt, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, in einer davon „unterzukommen“.


3. Schritt: Der erste Kontakt

Sobald man alle Kontaktdaten hat, geht es ans Eingemachte.

Hier sage ich: Anrufen ist besser als schreiben.

Auf diese Weise erhält man sofort den Namen der Ansprechperson, mit der man über einen möglichen Bericht über sein Werk sprechen kann. Eine E-Mail kann man immer noch versenden.

Die Schwierigkeit besteht hier für schüchterne Personen. Ich rate daher zu einer Stichwortliste mit den Punkten, die man unbedingt ansprechen möchte. Darauf gehören:

  • der eigene Name (Ja, der steht ganz oben auf der Liste, weil ich selbst in der Aufregung einmal vergessen habe, mich vorzustellen)
  • der Grund des Anrufs („Ich möchte gern mein Buch in Ihrer Zeitung vorstellen.“)
  • die Bekanntheit der Zeitung hervorstreichen, sofern diese bekannt ist, sonst lässt man das weg (z. B. „Ich lese Ihre Zeitung regelmäßig“, „Ihre Zeitung ist für regionale Berichterstattung bekannt,“, …)
  • und schließlich das Begehren: ICH WILL, DASS DU MEIN BUCH VORSTELLST. Aber natürlich viel höflicher.

Dann folgt der Anruf.

Ich gebe ein kleines Beispiel, so wie ich das in der Regel mache (Für diejenigen, die sich damit schwertun, alle anderen scrollen bitte weiter.):

„Guten Tag, mein Name ist …, ich bin freie Schriftstellerin und ich wohne in … . Ihre Zeitung schreibt immer so schöne, unterhaltsame, interessante (whatever) Artikel über unsere Region, ich lese sie regelmäßig. Deshalb rufe ich auch bei Ihnen an und möchte Sie fragen, ob Sie Interesse an einem Bericht über mein neuestes Buch haben. Ich habe über … geschrieben, was bei meinen Leser:innen bisher schon für großes Interesse gesorgt hat. Es ist am … erschienen/Es wird am … erscheinen. Ich kann Ihnen auch gern ein Rezensionsexemplar zukommen lassen.“

Im besten Fall gibt es ein Interviewangebot mit einem Termin, im schlechtesten Fall eine rüde Ablehnung, alleine schon bei der Angabe, dass man Schriftsteller:in ist. Sollte der schlechte Fall eintreten, darf man das nie persönlich nehmen, auch wenn es im ersten Moment wehtut. Auch dort sitzen nur Menschen und haben mitunter einen schlechten Tag, viel zu tun, etc. Deshalb rate ich bei einer rüden Ablehnung dazu, höflich zu bleiben. Vielleicht möchte man es ja ein anderes Mal noch einmal probieren, dann hat man wenigstens schon den Namen einer möglichen Ansprechperson. Kontaktdaten sind mehr wert als eine Absage. Aufbewahren, aufbewahren, aufbewahren!

Wir gehen aber vom besten Fall aus. Es kommt zum Termin.


4. Schritt: Vorbereitung zum Interview

Nach der großen Freude kommen die Bedenken. Was muss man da tun, welche Fragen werden auftauchen?

Am besten ist es, man bereitet sich akribisch darauf vor und beantwortet für sich selbst schon einmal ein paar Fragen:

  • Was will ich präsentieren?
  • Wie will ich es präsentieren?
  • Worüber sollen diese Leute genau schreiben?
  • Will ich ein Foto von mir in der Zeitung haben?

Wenn man diese Fragen beantwortet hat, ist man schon halbwegs gut gerüstet. Aber es gibt noch etwas, das man tun kann. Es gibt im Internet auf diversen Blogs, auf Instagram und auch in verschiedenen Zeitungen bereits Berichte über Autor:innen und deren Werke. Wenn man das aufmerksam liest, bekommt man schon ein ganz gutes Gefühl, was an Fragen auftauchen könnte und kann sich darauf einstellen, vielleicht sogar noch einmal eine kleine Stichpunktliste erstellen, was man unbedingt erwähnen möchte.

Wichtig ist, eine kurze und spannende Inhaltsangabe zum Buch zu geben, warum man es geschrieben hat, wie lange man daran gearbeitet hat, wie das mit der Veröffentlichung funktioniert, warum man gerade Selfpublishing macht …

Ich empfehle unbedingt, sich Rezensionsexemplare dafür bereit zu legen. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.


5. Schritt: Das Interview

Es kommt zum Gespräch und man ist sich hoffentlich sympathisch. Bestenfalls sitzt man gemütlich bei einem Kaffee und unterhält sich angeregt. Im schlechtesten Fall wird es ein Frage-Antwort-Spiel, aber auch das ist besser als gar keine Unterhaltung. Es liegt an einem selbst, ob man frei sprechen möchte. Das ist natürlich für alle am besten. Wenn einem das schwerfällt, ist natürlich die Frage-Antwort-Variante die bessere Wahl und/oder Notizen, das sollte man unbedingt kommunizieren. Trotzdem ist es besser, wenn man sich nicht alles aus der Nase ziehen lässt. Das kommt gar nicht gut an. Frei von der Leber weg erzählen. Jede:r Schriftsteller:in kann erzählen, also dürfte es kein Problem geben. Die Interviewpartner:innen sind keine Unmenschen, die einem Böses wollen, da sitzen die Guten, diejenigen, die einen tollen Bericht über einen schreiben möchten. Honoriere das, indem du ihnen Material lieferst und redest.


6. Schritt: Die Druckvorschau/Druckfahne 

Lass dir unbedingt den Artikel vor der Veröffentlichung schicken. Kleine Fehler können immer auftreten: da ein falsch geschriebener Name, dort ein vergessenes Wort beim Buchtitel. Fehler passieren, deshalb vorher noch einmal kontrollieren. Das hat nichts mit Kontrollzwang oder Unhöflichkeit zu tun, das ist professionell!


7. Bleibe in Kontakt

Gib nach der Veröffentlichung noch eine kurze Rückmeldung bei der Zeitung und bedanke dich noch einmal für den Bericht, egal, wie groß oder klein er ausgefallen ist.


8. Halte Versprechen und Termine ein

Wenn du während des Gesprächs etwas versprichst, zum Beispiel die Nachreichung eines Leseexemplars, dann halte das unbedingt ein und lasse das den Interviewpartner:innen zukommen. Auch Termine für eventuelle Lesungen müssen sicher sein und können auch im Nachhinein noch einmal bekanntgemacht werden, das liefert einen Grund für ein weiteres Erscheinen in der Zeitung.

Wenn es bei verschiedenen Printmedienbewerbungen nicht geklappt hat, einfach weiter machen. Das nächste Mal wieder versuchen. Man lernt aus Niederlagen und wird besser. In der Hinsicht habe ich genug Erfahrung sammeln können, von Aussagen wie „So einen Blödsinn brauchen wir nicht“ hin zu „Selfpublisher:innnen? Sind wohl nicht gut genug für einen Verlag. Machen wir nicht.“ bis zu gar keinen Rückmeldungen. 

Bei den ersten beiden unmöglichen Ablehnungsvarianten, die es natürlich in verschiedenen Wortlauten gibt, sage ich: Einfach wieder probieren und ihnen mit Vorab-Information den Wind aus den Segeln nehmen. Wenn dann immer noch kein Interesse besteht, dann ist es halt so. Es gibt noch andere Printmedien, auf die man zugehen kann.

In diesem Sinne: Überwindung ist der halbe Zeitungsbericht.


Über die Autorin

Die österreichische Schriftstellerin Herta Krondorfer schreibt unter dem Pseudonym „H. K. Ysardsson“ Fantasy und Science-Fiction-Romane. Unter ihrem realen Namen verfasst sie Lyrik und historische Romane.

Sie ist mit Leib und Seele Selfpublisherin und würde das auch nicht aufgeben wollen. Grafik und Malen gehören ebenso zu ihren künstlerischen Aktivitäten, auch wenn sie dabei erst am Anfang steht.

Ein Dorf im westlichen Niederösterreich, in dem sie mit ihrer Familie lebt, dient ihr als Ort der Inspiration und gleichzeitig auch als Ruheort. Blühende Obstwiesen im Frühling, sanfte Hügel das ganze Jahr über und freundliche Leute, das ist es, was sie dort hält. Ganz unterschiedlich davon sind ihre Bücher geprägt von unerfreulichen Leuten und schweren Themen wie Menschenrechte, Gewalt, Krieg, Geschichte und anderem.


Autor:innenbeiträge

myMorawa Autor:innen-Beiträge

Die myMorawa Autor:innen-Beiträge werden von myMorawa-Autor:innen, den wahren Expert:innen, verfasst. Unsere Autor:innen teilen in diesen Beiträgen ihre Erfahrungen und Erfolge, und geben diese Tipps an die Community weiter.


Titelbild: Pixabay, congerdesign